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Maibaumaufstellen

Gelebtes Brauchtum – Maibaumaufstellen in Salzburg

 

Am ersten und zweiten Maiwochenende werden traditionell die Maibäume in ganz Salzburg aufgestellt. Diese ehrenvolle Aufgabe wird flächendeckend von ehrenamtlichen Vereinen übernommen und sogar in der Stadt Salzburg durchgeführt.

 

 

 

„Der Maibaum gehört bei uns fix zum Jahresprogramm“, so Ortsgruppenleiter der Landjugend Hallwang, Peter Kreuzer. Alljährlich stellt die Landjugend Hallwang den Maibaum in ihrer Heimatgemeinde auf. Zuerst wird ein Baum aus dem Wald des Maibaumspenders auserkoren und anschließend gefällt. Meist wird das Abschaben der Rinde, das sogenannte „Scheppsn“ direkt im Wald vorgenommen. Der Baum wird dann an eine meist geheim gehaltene Stätte gebracht um das Holz glatt zu schleifen, den Kranz zu binden und rot weiße Girlanden am Baumwipfel zu befestigen. Oftmals werden die Stämme mit kunstvollen Schnitzereien versehen oder fein säuberlich bemalt. Je nach regionalen Gepflogenheiten werden die Wappen der Gemeinde und des Vereines auf den Stamm angebracht. Vielerorts zeigt sich die Landjugend für den Maibaum verantwortlich. Die Freude am Brauchtumserhalt und vor allem der dadurch resultierende „gelebte Brauchtum“ brachte den einen oder anderen Landjugendverein auch in die Stadt Salzburg. Am Freitag, den 29. April stellte die Landjugend Hallwang erstmals den Maibaum im ORF-Fernsehgarten im Landesstudio Salzburg auf.

 

 

Die Landjugend Kuchl wird im heurigen Jahr bereits das zweite Mal den Maibaum im Sternbräu-Salzburg errichten. Der Landjugend Grödig kommt die Ehre zu teil, den Maibaum beim bekannten Maifest in der Stieglbrauerei zu Salzburg aufzustellen. „Das Maibaumaufstellen ist ein schöner Brauch, der allen unsern Mitgliedern Spaß macht. Das Zusammenhelfen und das gemeinsam Arbeiten können wir richtig genießen“, so Andrea Lindner, Gruppenleiterin der Landjugend Hallwang im ORF-Interview. Da fällt es auch leichter, zwei Maibäume binnen zwei Tagen aufzustellen. Unter dem Kommando von Maibaum-Moar Hans Wasenegger wurde der Maibaum schließlich erfolgreich vergangenen Freitag im Landesstudio Salzburg in die Senkrechte gehievt. Tags darauf folgte der Maibaum in der Heimatgemeinde in Hallwang.

 

 

Historisches zum Maibaumaufstellen

 

Am 1. Mai wird in vielen Orten ein Maibaum auf einem zentralen Platz errichtet. Er hat im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Ausgestaltungen und immer wieder neue Deutungen erlebt. Er war das weithin sichtbare Zeichen, dass nun das Wachstum auf Feldern und Wiesen nicht mehr gestört werden dürfe – also ein Betretungsverbot, das an mögliche Sanktionen bei Übertretung erinnerte. Er ist Bestandteil der seit dem Mittelalter beliebten Frühlings- und Maifeiern.

 

Maibäume gehören zur „Familie der Festbäume“, zu der u. a. Kirtagbaum, Hüterbaum, Sonnwendbaum oder die Bäumchen zur Dachgleiche zählen. Maibaumfeste existierten seit dem Mittelalter, sind aber in der heute bekannten Form eine Erfindung des 19. Jh.s. 

Im 19. Jh. machte das Bedürfnis nach Naturmythen den Maibaum zum Fruchtbarkeitssymbol mit heidnischen Wurzeln, zum Hexenbaum der Walpurgisnacht etc. (Beitl 1974, Mannhardt 1904/05). In der NS-Zeit wurde auch das Maibaumaufstellen politisch instrumentalisiert.


Für das Stehlen des Maibaums aus dem Wald (Zeller 1902, 109 f.) sowie durch die Nachbarschaften (1669 Beleg aus Gauting/Bayern bei Kapfhammer 1977, 175) und das Aufstellen wie Umschneiden sind viele regional unterschiedliche Bräuche bekannt. Teilweise wurde der Maibaum Ende Mai oder zu Pfingsten, meist zu Erntedank umgeschnitten. (ÖVA)


Auch die Bearbeitung des Baumes ist regional unterschiedlich. In Österreich wird er der Äste entledigt und ganz oder in Spiralen mit dem Schepseisen (im Dialekt „Schöpser“) entrindet; nur der Wipfel bleibt erhalten. Das Maibaumkraxeln um die Ehre wie um die oben hängenden Preise (Wurstkränze) ist/war ein beliebter Wettkampf der Burschen.  Der Tanz um den Maibaum stammt vermutlich aus der Renaissance. Er wurde  im 20. Jh. von der Volkstanzbewegung stark verbreitet. (Wolf 2000, 181) Seit Jahren ist er in den Städten beliebt und eine Gelegenheit Dirndl und Lederhose auszuführen. (Kriechbaum 2012, 180 f.)

Quelle und Autorin: U. Kammerhofer-Aggermann

 

 

 

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