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Durch die Landjugend bis nach Kanada

 

Das umfangreiche Programm der größten Jugendorganisation Salzburgs umfasst auch einen großen internationalen Teil. Ziel davon ist, über den Tellerrand zu blicken, neue Kulturen kennenzulernen und einen Einblick in die Landwirtschaft im Ausland zu bekommen. Zwei Mitglieder der Landjugend Mariapfarr-Weißpriach waren im Sommer als „International Junior Farmers Delegates“ in Kanada unterwegs.

Johanna Prodinger und Michael Lerchner von der Landjugend Mariapfarr-Weißpriach nutzten die Möglichkeit und verbrachten den Sommer im zweitgrößten Land der Erde. „Unsere Reise startete in Toronto, der größten Stadt Kanadas und dann reisten wir in Ontario, einer der zehn Provinzen,“ erklärte die 23-jährige Johanna Prodinger, die insgesamt drei Monate dort verbrachte. „Die Dimension ist eindrucksvoll. Alles ist größer: Die Höfe, die Straßen, die Pickup-Trucks, landwirtschaftliche Geräte und auch die Leute“, schmunzelt Michael Lerchner.

 

Landjugend Salzburg
Landjugend Salzburg

 

Der internationale Austausch wurde mit dem kanadischen Junior-Farmer-Club von Ontario gemeinsam mit der Landjugend Österreich organisiert. Jede Woche verbrachten die beiden bei einem anderen lokalen Junior Farmer-Club, der jeweils ein buntes Programm aus Sightseeing sowie Betriebs- und Firmenbesichtigungen organsierte. Mit auf dem Weg waren auch Austauschstudenten aus Schottland, Nordirland, England, Schweiz und Deutschland.

 

 

„Einige Tage meiner Reise verbrachte ich auf einem 280 Milchkühe umfassenden Betrieb. Zum Melken wurde ein 2x 16er Melkstand verwendet. Mit drei Personen ist das Melken in 3 – 3 ½ Stunden erledigt,“ erzählt der 26-jährige. „Viele Leute verlagerten ihre Landwirtschaft von den Niederlanden nach Kanada, so wie diese Familie, die in zweiter Generation hier ist. Auch viele Iren und Schweizer haben wir kennengelernt,“ so Michael Lerchner.

 

 

Der wohl größte Unterschied zur heimischen Landwirtschaft ist, dass Kanada nach wie vor ein Quotensystem – Kontingent - auf Milch, Eier, Legehennen und Puten hat. Dadurch wird der Preis und das Angebot festgelegt und ermöglicht eine langfristige und stabile Planung bzw. Produktion. Der Preis pro Liter Milch liegt zwischen 80ct und einem Dollar. Subventionen oder Ausgleichszahlungen gibt es nicht. „Die Professionalität beispielsweise bei Futterrationen und die Dokumentation fällt auf. Wird Zeit durch einen Melkroboter gespart, verwenden viele diese um beispielsweise die Fütterung zu verbessern. Ein Melkroboter ist eher bei „kleinen“ Betrieben rentabel, da er eine Maximalleistung von 55-60 Kühen hat. Natürlich sind Betriebe unterschiedlich aber unser Eindruck ist, dass die Kanadier ihre Landwirtschaft sehr stark optimiert haben. Für sie ist es ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der gesamte Agrarsektor macht bis zu 30 % der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Auch österreichische Firmen wie Pöttinger sind sehr präsent dort,“ so Michael Lerchner.

 

 

„Den Einsatz von Gentechnik und genmanipuliertem Saatgut sehen sie als normal an. Viele Leute haben mir auf die ethische Frage hin geantwortet, dass sie mit dieser gentechnischen Veränderung maximal den natürlichen Prozess beschleunigen und z.B. kälteresistente Weintrauben züchten, dass die Natur nach Jahren sowieso schaffen würde. Tatsächlich gibt es in Ontario viele Winzer, deren Reben bis -35°C anstatt von -5°C bestehen können. Biolandbau ist unüblich, da wird man eher belächelt und nur von ein paar wenigen Personen betrieben. Generell wird im Ackerbau fast ausschließlich Roundup-resistentes Saatgut verwendet. Nur so können sie nach ihren Angaben wettbewerbsfähig bleiben,“ erläutert Michael Lerchner und Johanna Prodinger ergänzt: „Bei Tierwohl und Tierschutz ist Europa meilenweit voraus. Käfighaltung von Hühnern ist beispielsweise immer noch erlaubt. Zu viel Geld steckt dahinter und zu wenig ist der Kunde bereit zu zahlen um das zu ändern.“

 

Landjugend Salzburg

 

Besonders interessant ist auch die Vielseitigkeit der einzelnen Betriebe. Einige Landwirte betreiben Gasturbinen mit Metha für die Stromerzeugung. Andere schlossen sich zu Firmen zusammen und betreiben nun eines der größten Tomatenglashäusern Kanadas mit einer Fläche von neun Hektar, dass in der Endausbaustufe 18 Hektar umfassen wird. „Wir haben unglaublich viel Verschiedenes gesehen. Von der Curling-Stein-Fabrik, von denen es nur zwei weltweit gibt, bis hin zu Agrar-Forschungseinrichtungen, Kanufahren im Algonquin Nationalpark, Wildwasser Rafting am Ottawa-River oder die weltberühmten Niagara-Fälle. Abgerundet wurde unser Programm durch viele wunderbare Kontakte, die man auf so einer Reise knüpft,“ so Johanna Prodinger.

 

 

Kann der „International Junior Farmers Exchange“ weiterempfohlen werden? Auf alle Fälle. „In dieser Zeit lebt man wie ein Familienmitglied bei den jeweiligen Hosts. Für Unterkunft und Verpflegung hilft man natürlich im Haushalt oder auf der Farm mit. Das ist eine wunderbare Gelegenheit um ins Gespräch zu kommen, neue Sichtweisen zu erhalten und das Englisch zu verbessern“, so die beiden Landjugendmitglieder. Die Teilnahme am International Farmers Youth Exchange steht allen Mitgliedern der Landjugend zur Verfügung. Länder wie Australien, USA, Großbritannien, Skandinavische Staaten oder Schweiz stehen zur Auswahl. Auskünfte darüber gibt es auf der Homepage der Landjugend Österreich www.landjugend.at.

 

 

 „Die Möglichkeiten, die dir dieser Jugendverein bietet sind unglaublich. Jedem Mitglied ist Tür und Tor geöffnet um die eigenen Potentiale zu finden und zu nutzen. Die Landjugend ist eine wunderbare Chance für junge Erwachsene Verantwortung zu übernehmen, zu planen und zu organisieren und zu erleben, was Gemeinschaft bedeutet. Darüber steht das gemeinsame Interesse an einer Sache und natürlich der Spaß. Als ich im Jahr 2006 Mitglied der Landjugend Mariapfarr/Weißpriach wurde, hätte ich mir nie gedacht, einmal so viel zu erleben: von bundesweiten Bewerben angefangen, bis hin zu länderübergreifenden Freundschaften, ein knapp sechs Jahre langer erfüllender Job, die Organisation von Events mit über 1.000 Besuchern, ein internationaler Austausch in Kanada und vielen vielen Geschichten, die man sich noch oft und gerne erzählen wird.“, so lautet das Resümee von Michael Lerchner, dem ehemaligen Geschäftsführer der Landjugend Salzburg.

 



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